#1  
Alt 24.10.2010, 17:13
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Standard Erste Hilfe

Hallo!

Da ich der Meinung bin, dass erste Hilfe in der Bevölkerung gar nicht oft genug Erwähnung, Wiederholung und Übung finden sollte, möchte ich hierzu gerne einen Thread eröffnen. Viele Einfache Dinge werden häufig sehr schnell nach dem verpflichtenden Erstehilfekurs beim Führerschein oder ähnlichem wieder vergessen, weil bei den meisten Personen ja, Gott sei dank, nicht die Notwendigkeit der Anwendung auftritt.
Deswegen kann man gar nicht oft genug Üben und Wiederholen.

Als erstes Posting möchte ich euch gern den aktuellen Algorythmus der ERC (https://www.erc.edu/index.php/mainpage/en/) für den
plötzlichen Herzstillstand vorstellen. Ihr könnt ihn im angehängten Dokument sehen.

Was interessantes dazu:
Die ERC erneuert ihre Guidelines, so weit ich weiss, alle 5 Jahre. Die aktuellen sind von 2005. Es sollten also bald neue kommen.
Eine interessante Studie der Meduni Wien ist jetzt in einer der renomiertesten medizinischen Fachzeitschriften "The Lancet" (http://www.thelancet.com/journals/la...54-7/abstract#) veröffentlicht worden.

Diese Studie hat bisher publizierte Studien zum plötzlichen Herzstillstand verglichen. Die Hauptdiskussion erstreckt sich darüber, ob die Beatmungen zwischen der Herzmassage wichtig sind oder nicht.
Das Ergebnis dieser Studie zeigt, dass durch Laien durchgeführte Wiederbelebungsversuche erfolgreicher sind, wenn nur Herzmassagen angewendet werden.

Nachfolgend die Studie:

The Lancet, Early Online Publication, 15 October 2010
doi:10.1016/S0140-6736(10)61454-7Cite or Link Using DOI
Chest-compression-only versus standard cardiopulmonary resuscitation: a meta-analysis

Michael Hüpfl MD a, Harald F Selig MD a, Dr Peter Nagele MD a b

Background
In out-of-hospital cardiac arrest, dispatcher-assisted chest-compression-only bystander CPR might be superior to standard bystander CPR (chest compression plus rescue ventilation), but trial findings have not shown significantly improved outcomes. We aimed to establish the association of chest-compression-only CPR with survival in patients with out-of-hospital cardiac arrest.

Methods
Medline and Embase were systematically reviewed for studies published between January, 1985, and August, 2010, in which chest-compression-only bystander CPR was compared with standard bystander CPR for adult patients with out-of-hospital cardiac arrest. In the primary meta-analysis, we included trials in which patients were randomly allocated to receive one of the two CPR techniques, according to dispatcher instructions; and in the secondary meta-analysis, we included observational cohort studies of chest-compression-only CPR. All studies had to supply survival data. The primary outcome was survival to hospital discharge. A fixed-effects model was used for both meta-analyses because of an absence of heterogeneity among the studies (I2=0%).

Findings
In the primary meta-analysis, pooled data from three randomised trials showed that chest-compression-only CPR was associated with improved chance of survival compared with standard CPR (14% [211/1500] vs 12% [178/1531]; risk ratio 1·22, 95% CI 1·01—1·46). The absolute increase in survival was 2·4% (95% CI 0·1—4·9), and the number needed to treat was 41 (95% CI 20—1250). In the secondary meta-analysis of seven observational cohort studies, no difference was recorded between the two CPR techniques (8% [223/2731] vs 8% [863/11 152]; risk ratio 0·96, 95% CI 0·83—1·11).

Interpretation
For adults with out-of-hospital cardiac arrest, instructions to bystanders from emergency medical services dispatch should focus on chest-compression-only CPR.

Funding
US National Institutes of Health and American Heart Association.


Es wird interessant, ob diese Erkentnisse in die Empfehlungen der ERC Eingang finden und somit gegebenenfalls lebensrettende Sofortmaßnahmen noch leichter und mit geringerer Hemmschwelle für den Retter durchzuführen sind.

Was meint Ihr dazu?

lg,

Christian.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg abls.jpg (13,1 KB, 2x aufgerufen)
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Geändert von ChristianK (24.10.2010 um 17:22 Uhr)
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  #2  
Alt 28.10.2010, 19:21
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Hallo wieder!

Fast wie heraufbeschworen. Die neuen Guidelines zur Ersten Hilfe des ERC für 2010 sind herausgegeben worden. Also sind es wohl wirklich alle 5 Jahre

Und tatsächlich... Die im vorigen Posting angeführte Forschung ist in die neuen Guidelines eingegangen.

Zitat:
"All rescuers, trained or not, should
provide chest compressions to victims
of cardiac arrest.
A strong emphasis
on delivering high quality chest
compressions remains essential. The
aim should be to push to a depth of
at least 5 cm at a rate of at least 100
compressions min-1, to allow full chest
recoil, and to minimise interruptions
in chest compressions. Trained rescuers
should also provide ventilations
with a compression–ventilation (CV)
ratio of 30:2.
Telephone-guided chest
compression-only CPR is encouraged
for untrained rescuers.
"
Soll heissen: Ungeübte sollen also beim Feststellen einer fehlenden Atmung sofort mit der Herzmassage beginnen. (die Pulskontrolle zur Kontrolle des Kreislaufs entfällt schon lange) ->

Atmung weg = Kreislauf weg (mehr oder weniger) = Herzstillstand = Notfall = Reanimation leisten.

Der untere Satz sagt, dass ausgebildete Ersthelfer und medizinisches Personal natürlich weiterhin auch beatmen sollen.

Das Ergebnis aus meiner Sicht:
1. Sagt die Forschung sowieso, dass ausreichend Sauerstoff im Blutkreislauf ist und damit eine Reanimation mit lediglich Herzmassage ausreichend ist.

2. Bedeutet dies für nicht ausgebildete oder ohne viel Training eine viel niedrigere Hemmschwelle Erste Hilfe zu leisten.

Freut mich sehr auf jeden Fall!

Da Bilder immer mehr sagen als viele Worte, möchte ich euch gern ein Video zur Ersten Hilfe hier verlinken:

Leitlinien zur Reanimation 2010 des European Resuscitation Council (ERC)
http://www.youtube.com/watch?v=lvF_k...eature=related

Hier die Seite der Deutschen Gesellschaft:
http://www.grc-org.de/

Hier ein wichtiges Statement zu den Guidelines überhaupt:

Zitat:
"Die folgenden Leitlinien definieren nicht den einzigen Weg wie reanimiert werden kann; sie repräsentieren vielmehr die weithin akzeptierte Sicht wie Reanimation wirkungsvoll und sicher durchgeführt werden kann. Die Veröffentlichung dieser neuen überarbeiteten Behandlungsempfehlungen bedeutet auch nicht, dass die derzeitig angewandten Behandlungsabläufe unsicher oder unwirksam sind."
Ich und viele andere sehen das ganz genau so! Am aller wichtigsten ist, dass überhaupt Hilfe geleistet wird.

Hier findet man die aktuellen Guidelines mit wunderschönen Abbildungen und einfach verständlich!
Lohnt sich für jeden, mal kurz durchzulesen und ist auch wirklich insgesamt ein kurzes Dokument:


http://www.grc-org.de/leitlinien05/c...eitlinien-2010

lg,

Christian.
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  #3  
Alt 09.09.2012, 14:53
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Ui, hier tat sich schon lang nichs mehr. Sicher ein Thema, dass man immer wieder in die Köpfe der Menschen bringen sollte. Bin gerade letzte Woche über einen Zeitungsartikel gestolpert, der die Wichtigkeit vom raschen Handeln beleuchtet. Netter Weise mit einer schönen, gut publizierten Studie, unserer Uni:

Zitat:
"Raschere Erste Hilfe könnte mehr Leben retten
Herzstillstand: Beginnt bereits ein Laienhelfer unmittelbar danach mit der Herzdruckmassage, ist die Chance zu überleben um 70 Prozent höher, als würde erst die Rettung zu reanimieren beginnen.

Letztes Update am 29.08.2012, 15:34

Erste Hilfe rettet Leben – in welchem Ausmaß dies beim Herzstillstand der Fall ist, zeigt jetzt eine im Journal Resuscitation ("Wiederbelebung") veröffentlichte Studie der Uni-Klinik für Notfallmedizin der MedUni Wien in Kooperation mit der Wiener Rettung: Wer sofort von einem Ersthelfer eine Herzdruckmassage erhält, hat eine um 70 Prozent höhere Überlebenschance gegenüber jenen, bei denen erst die Rettung mit der Reanimation beginnt.

Die Autoren untersuchten 1448 Fälle von Herzstillstand, bei denen Mitarbeiter der Rettung eine Reanimation begannen oder fortsetzten:

Insgesamt überlebten elf Prozent aller Patienten – ein im internationalen Vergleich sehr guter Wert.

In der Gruppe, in der kein Laienhelfer vor dem Eintreffen der Rettung mit einer Herzdruckmassage begann, lag der Prozentsatz der Überlebenden nur bei acht Prozent. Denn bis zum Eintreffen der Rettung vergehen in Wien im Schnitt elf Minuten – auch das ist international ein guter Wert, für einen Patienten mit Herzstillstand trotzdem eine lange Zeit.

Begann hingegen ein Ersthelfer unmittelbar nach dem Herzstillstand mit der Massage, erhöhte dies die Überlebensrate auf 14 Prozent.
Pflichtfach

Sterz: „In Aufzügen sollte es Tafeln zum Verhalten im Notfall geben“

"Im Schnitt wurde bei jedem zweiten Patienten mit Herzstillstand ein Ersthelfer aktiv", sagt Alexander Nürnberger, Erst*autor der Studie. Auch dies sei international zwar nicht schlecht, "es ist aber noch deutlich mehr möglich", ergänzt Univ.-Prof. Fritz Sterz, der die Untersuchung initiiert hat: "In der norwegischen Stadt Stavanger haben 80 bis 90 Prozent aller Menschen mit Herzstillstand einen Ersthelfer – dort gibt es ab der Volksschule ein Pflichtfach ,lebensrettende Sofortmaßnahmen"." Das Ergebnis: "20 Prozent aller Patienten gehen gesund nach Hause – bei uns sind es eben nur die elf Prozent. Das zeigt, was man noch zusätzlich herausholen könnte", betont Nürnberger.

Sterz fordert seit Jahren, dass das richtige Verhalten im Notfall bereits in den Volksschulen in Kursen behandelt wird. Auch Hinweistafeln etwa in Aufzügen könnte das Bewusstsein erhöhen: "Jeder kennt die Tafeln ,Verhalten im Brandfall". Ähnliche Tafeln für das ,Verhalten im Notfall" könnten die Hemmschwelle, mit einer Reanimation beginnen, senken." Die neue Studie hat nämlich auch gezeigt: Selbst wenn zum Zeitpunkt des Herzstillstandes andere Menschen unmittelbar in der Nähe stehen (Kollegen, Familienangehörige, Passanten), beginnen diese nur in jedem zweiten Fall mit einer Reanimation: "Das hat offenbar mit der Angst, etwas falsch machen zu können, zu tun (siehe li.)." Regelmäßige Übung sei wichtig, Nürnberger kritisiert deshalb Überlegungen, beim Mopedführerschein lebensrettende Sofortmaßnahmen zu streichen: "Wir bräuchten mehr, nicht weniger Übungsmöglichkeiten."
"Herzmassage schadet nicht"

Ein Mensch wird bewusstlos und reagiert weder auf Ansprechen noch auf Schütteln: "Nimmt diese Person keine Drogen und hat sie auch keine Probleme mit Diabetes ist die Wahrscheinlichkeit für einen Herzstillstand sehr hoch", sagt Studienautor Alexander Nürnberger. "Ganz besonders, wenn die Atmung beeinträchtigt zu sein scheint."

Beginnt man dann mit der Herzdruckmassage "und der Patient reagiert immer noch nicht und wehrt sich nicht", sei dies ein weiteres Indiz für einen Herzstillstand. "In dieser Situation sollte für den Helfer klar sein: Diese Person hat einen Herzstillstand – so lange, bis sie mir das Gegenteil beweist." Denn die Herzdruckmassage schadet nicht – im Gegensatz zum Nichtstun.

Nürnberger und Sterz sehen auch Verbesserungspotenzial bei der Einbindung der Krankentransporte mit Sanitätern. Nürnberger: "Bei jedem zweiten Herzstillstand gibt die Wiener Rettung nach Eingehen des Anrufs den Standort auch an die Krankentransport-Organisationen durch. Die sagen das dann per Funk an die Wagen weiter – doch nur in knapp fünf Prozent der Reanimationen ist einer der 300 Krankentransporter vor der Rettung am Einsatzort.""
Quelle:
http://kurier.at/nachrichten/gesundh...ben-retten.php

lg,

Christian.
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  #4  
Alt 10.09.2012, 16:40
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Rose1963 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
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Guter Artikel, nur vom Ansprechen wird das Problem leider nicht gelöst. Da ist ein großer Handlungsbedarf, auch hier bei uns in Deutschland.
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  #5  
Alt 10.09.2012, 17:40
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Am besten finde ich es, wenn man mindestens alle 3 Jahre ein Auffrischung seine Ersten Hilfe Kurses macht. Es ändern sich auch immer wieder die Techniken bei Beatmung und Herzrythmusmassage. Denk mir bei so einem wichtigen Thema sollte man immer update sein.
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  #6  
Alt 11.09.2012, 18:20
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naja, das schon in den schulen mit kursen und selbstverständlichkei begonnen werden sollte, spricht der artikel ja schon an, oder?

lg.
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  #7  
Alt 11.09.2012, 18:29
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Hat denn jemand eine Geschichte auf Lager, wo er schon mal erste Hilfe leistete?
Ich nämlich nicht. Hatte auch nicht die Gelegenheit, meine Kenntnisse anzuwenden.
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  #8  
Alt 12.09.2012, 14:01
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ich selbst auf der strasse noch nicht.

ein freund von mir wurde heuer eine woche vor seiner letzten medizinprüfung beim schwimmen/tauchen in einem öffentlichen bad ohnmächtig. der bademeister hat ihn sofort wiederbelebt. kam dann scheinbar auch gleich wieder und mit rettung ab ins krankenhaus für eine nacht. geblieben, ist ihm, wie es aussieht gott sei dank, nichts. die prüfung muss er halt leider im september widerholen...
haben alle nicht schlecht gestaunt, wie schnell das gehen, kann, vor allem aus voller gesundheit heraus.

lg.
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  #9  
Alt 12.09.2012, 14:29
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Wahnsinn!
Und? Nahtoderfahrung gehabt?
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  #10  
Alt 12.09.2012, 15:13
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Also meine Kinder haben in der 10. Klasse einen richtigen Erste Hilfe Kurs, so richtig mit Prüfung. Den können sie dann sogar gleich für den Führerschein benutzen. Finde ich gut.
LG Rose
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