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  #1  
Alt 07.05.2009, 07:40
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Beiträge: 1
friedhelm ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Standard Reizdarm

Hallo ich bin hier neu und habe zu dem o.g. Thema noch nichts gefunden.
Da der Reizdarm aber recht häufig in der Bevölkerung vorkommt frage ich hierb einfach einmal ob sich hier jemand ein wenig damit auskennt und gute Tips geben kann.
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  #2  
Alt 10.05.2009, 12:50
Benutzerbild von ChristianK
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Registriert seit: 16.11.2008
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Beiträge: 1.736
ChristianK befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard AW: Reizdarm

Hallo Friedhelm,

ich schreib Dir gern mal ein wenig Lehrbuchwissen (in Klammer von mir hinzugefügte Kommentare und Bemerkungen zum hoffentlichen besseren Verständnis der vielen medizinischen Ausdrücke):

Reizdarm-Syndrom (Colon irritabile)

Synonyma: Reizkolon oder spastisches Kolon.
Symptomenkomplex aus chronischen, intermittierenden Bauchschmerzen und Stuhlveränderungen ohne fassbare organische Ursache.

50% der Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden und ca. 20 % der Gesamtbevölkerung leiden an einem Reizdarm-Syndrom.

Klinik
Das Krankheitsbild hat 4 Facetten, von denen jeweils beliebige Kombinationen berichtet werden:

1) variable, oft krampfartige Unterbauchschmerzen, die sich typischerweise nach Stuhlentleerung bessern sowie durch Stress verschlimmern. Beeinträchtigt den Nachtschlaf in der Regel nicht.
2) Druck- und Spannungsgefühl im Unterbauch, häufig als „Blähungen" oder „Völlegefühl" bezeichnet.
3) begleitende Obstipation (Verstopfung) oder Diarrhö (Durchfall), oder aber ein Wechsel von beiden, häufig mit Schleimabgang. Breiige Stühle können insbesondere die Schmerzepisoden begleiten.
4) depressive Verstimmungen oder Angstgefühle sind häufig, und oft bestehen gleichzeitig Oberbauchbeschwerden, Müdigkeit sowie urologische und gynäkologische Beschwerden.

Für die Entstehung werden drei Faktoren diskutiert:

1) Störungen der Motilität (Zusammenziehen der Muskulatur der Darmwand zur Weiterbeförderung des Stuhls -> Darmbewegungen), die durch physiologische Stimuli wie Mahlzeiten, Emotionen oder Dehnungen ausgelöst werden.
2) verändertes Reizempfinden des Darms: experimentelle Untersuchungen mit intraluminal (im inneren des Darms) platzierten und dann mit unterschiedlichen Füllungsdrücken aufgeblasenen Ballons zeigen eine gegenüber der Normalbevölkerung erniedrigte viszerale (Weichteile) Schmerzschwelle (ab wann ein Schmerz empfunden/wahrgenommen wird) bei Patienten mit Reizdarm-Syndrom.
3) psychosoziale Faktoren: Bei über der Hälfte der Patienten wurden ungewöhnliche psychosoziale Stressfaktoren identifiziert. Begleitende Depressionen und Angstzustände sind häufig. Da psychische Faktoren die Schmerzverarbeitung beeinflussen, könnte dieser Faktor die veränderte Reizempfindung beeinflussen.

Welche Rolle in diesem Dreieck ein von manchen Forschern postuliertes Ungleichgewicht der gastrointestinalen Neurotransmitter (Übertragungsstoffe von Nervenzellen, die für die oben genannte Darmbewegung zuständig sind) oder entzündliche Schleimhautveränderungen spielen, ist unklar.

Die Herausforderung besteht in der Abgrenzung des Krankheitsbildes gegenüber organischen Darmerkrankungen mit ähnlicher Symptomatik, z. B. kolorektales Karzinom, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, (andere) Erkrankungen mit chronischer (dauernder) Obstipation (Verstopfung), Erkrankungen mit chronischer Diarrhö, Endometriose sowie Laktasemangel.

Die Diagnose gründet sich gleichzeitig auf die typische Anamnese (Erfragen des Arztes) von chronischen, oft über Jahre bestehenden Beschwerden und auf den Ausschluss organischer Ursachen.

Diagnosekriterien des Reizdarm-Syndroms (modifizierte Rom-Kriterien)
In den letzten 12 Monaten insgesamt mindestens 3 Monate anhaltende chronische (dauernde) oder rezidivierende (wiederkehrende) abdominelle (=Bauch) Schmerzen oder Missempfindungen, die

a) nach dem Stuhlgang abnehmen und/oder begleitet sind von einer Änderung der Stuhlfrequenz (Diarrhö, Obstipation) und/oder der Stuhlkonsistenz (breiig, wässrig, schafskotartig)
b) nicht durch strukturelle (der Anatomie) oder biochemische Abweichungen erklärt werden können.
c) Blutnachweis im Stuhl (okkult (=nicht sichtbar) oder makroskopisch (=mit freiem Auge sichtbar)), Gewichtsverlust, Leistungsknick, nächtliche Diarrhö oder Fieber sind bis zum Beweis des Gegenteils Hinweis auf eine organische Ursache und schließen die Diagnose eines Reizdarm-Syndroms aus.
d) Auch „neue", d. h. unter 3 Monate bestehende Beschwerden können per Definition nicht als Reizdarm-Syndrom erklärt werden und müssen gründlich abgeklärt werden.

Sind die Diagnosekriterien erfüllt und besteht nach Anamnese und körperlicher Untersuchung kein Verdacht auf eine organische Grunderkrankung, so wird eine Basisdiagnostik empfohlen.

Therapie

Die Therapie ist wegen der ungeklärten Pathogenese (Krankheitsentstehung) schwierig und selten erfolgreich. Kein Medikament besitzt einen nachgewiesenen günstigen Einfluss auf den Verlauf des Reizdarm-Syndroms.
Im Vordergrund der Therapie stehen deshalb Allgemeinmaßnahmen:

a) Die therapeutische Beziehung zum Arzt ist das wichtigste Element der Therapie. Der Patient sollte über die Gutartigkeit, die mögliche Pathogenese sowie über den chronisch intermittierenden Verlauf der Erkrankung aufgeklärt werden. Er sollte wissen, dass es eine „Heilung" durch medizinische Interventionen nicht gibt (Förderung einer realistischen Therapieerwartung).

b) Diätveränderungen können die Beschwerden lindern, insbesondere faserreiche Kost (auch mit Faserzusätzen), kleinere, häufigere Mahlzeiten, kein Kaffee oder blähende Nahrungsmittel (Bohnen, Zwiebel, Kohl, Bier, Trauben etc), Einschränkung von Sorbit- oder Xylit-haltigem Kaugummi. Eine laktosefreie Diät kann für einige Wochen versucht werden. Daneben stehen allgemein roboriende (d. h. die Konstitution kräftigende) Maßnahmen im Vordergrund wie regelmäßige Bewegung, Entspannungsübungen, autogenes Training und vielfältige Sozialkontakte („have a life").

Die medikamentöse Therapie steht am Ende der therapeutischen Möglichkeiten. Häufig werden
Spasmolytika (Krampflösende Medikamente) (z. B. Belladonna, Dicycloverin, Trimebutin), bei Obstipation evtl. Faserzusätze (Leinsamen, Kleie), bei Diarrhöen evtl. Loperamid (Handelsname: Immodium(R)) verordnet.
Die motilitätsfördernden (also Darmbewegungssteigernde) Medikamente Metoclopramid oder Domperidon haben sich nicht bewährt.
Antidepressiva werden vor allem bei die Alltagsaktivität einschränkender Symptomatik und Angstzuständen eingesetzt.

Prognose
Nur ein Drittel der Patienten profitiert von einer Therapie (bzw. dem heilenden Einfluss der Zeit), in der Regel jedoch verläuft die Erkrankung chronisch. Obwohl das Reizdarm-Syndrom zwar erheblichen subjektiven Leidensdruck verursacht, zieht es jedoch selbst bei chronischem Verlauf keine fassbaren körperlichen Schäden nach sich.

Ich hoffe Du kannst was damit anfangen und es hilft Dir ein wenig weiter.

lg,

Christian.

Quelle: Renz-Polster et al (2004). Basislehrbuch Innere Medizin. Elsevier, 3. Aufl.
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  #3  
Alt 01.09.2009, 11:36
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Registriert seit: 12.06.2009
Beiträge: 23
Kopf ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Standard AW: Reizdarm

Hallo!
Meine Erfahrung:
Meine Mutter leidet immer wieder in unregelmäßigen Abständen am Reizdarmsyndrom, respektive häufige Durchfälle, bis zu 10 mal am Tag,
schwallartig entleert sich der Darm und das auch noch häufig nachts,
womit sich der Erschöpfungszustand noch verstärkt (Elektrolytmangel,
Vitaminmangel, Schlafmangel, etc.).
Meine Mutter hat sicher alles ausprobiert, was es so auf dem Markt gibt.
Nun muss ich einräumen, dass ich in der Humanmedizin arbeite.
Vor einiger Zeit empfahl mir eine Pharmareferentin: Orthomol Immun Pro.
Dies ist ein Pulver (pro- u. praebiotisch), 2 mal täglich anzuwenden.
Eines muss der geplagte Patient wissen: dieses Produkt muss man
selbst bezahlen (geht in Apotheken, in denen es Prozentaktionen gibt!)
und was ganz wichtig ist, zu Beginn der Therapie können die Beschwerden
noch zunehmen! Aber nach einigen Tagen hilft es - man kann es kaum
glauben, aber es ist wahr!
Diese "Kur" dauert ca. 4 Wochen.
Die beschwerdefreien Zeiten werden immer länger. Die letzte Anwendung
bei meiner Mutter liegt nunmehr 1/2 Jahr zurück.
Ich kann nur jedem Patienten empfehlen, probiert es aus - was habt Ihr zu verlieren?

Gute Besserung!
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  #4  
Alt 30.03.2010, 19:07
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 27.02.2010
Beiträge: 4
salomon ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Standard AW: Reizdarm

Ich leide auch unter einem leichten Reizdarm Syndrom. Habe auch vor 3 Monaten von meinem Arzt Orthomol Immun empfohlen bekommen und hatte seit dem kaum noch Beschwerden. Also ich kann das Mittel auch weiterempfehlen! Es ist nur leider sehr teuer, man kann aber einiges Sparen wenn man online bestellt. Habe damals über apomio bestellt und ca 40% gespart.

Geändert von salomon (01.04.2010 um 10:54 Uhr)
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  #5  
Alt 06.04.2010, 09:14
Benutzerbild von ChristianK
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Registriert seit: 16.11.2008
Ort: Österreich
Beiträge: 1.736
ChristianK befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Standard AW: Reizdarm

Wie ganz oben beschrieben zu den Ursachen und der guten Prognose, bietet sich neben Medikamenten individuelle psychologische Hilfe im Sinne von:

Entspannungstrainings (Progressive Muskelrelaxation, etc.)
Verhaltenstherapie

als mögliche(!) ursächle Behandlungsmöglichkeit an.

Zitat:
""3) psychosoziale Faktoren: Bei über der Hälfte der Patienten wurden ungewöhnliche psychosoziale Stressfaktoren identifiziert. Begleitende Depressionen und Angstzustände sind häufig. Da psychische Faktoren die Schmerzverarbeitung beeinflussen, könnte dieser Faktor die veränderte Reizempfindung beeinflussen.
lg,

christian.
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"May you live all the days of your life."
-Jonathan Swift
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